en Aleman

bachajon circulo_Mesa de trabajo 37 German round large

**********

.

Libre uno de tres ejidatarios, que luchan contra el despojo en Cascadas de Agua Azul, Bachajón, Chiapas

.



.

Videobotschaft der Sexta Bachajón

Im Rahmen der Globalen Aktionswoche in Solidarität mit den Ejidatarios von San Sebastián Bachajón vom 4. bis. 10. Dezember 2016 hat die Sexta von Bachajón eine Videobotschaft veröffentlicht.

Im Video spricht Julián, Bruder des im Jahr  2013 ermodeten Aktivisten und Anhänger der Sexta aus Bachajón, Juan Vázquez Guzmán, und drückt seine Dankbarkeit über die Solidaritätsinitiative aus.

Quelle: Blog Viva Bachajón

.



.

Globale Aktionswoche in Solidarität mit der Sexta Bachajón

Aufruf zur Globalen Aktionswoche in Solidarität mit den Ejidatarios von San Sebastián Bachajón vom 4.-10. Dezember 2016, Internationaler Tag der Menschenrechte.

bachajon-circulo_mesa-de-trabajo-26-copia-5-spanish-round-large

An unsere Schwestern und Brüder des Ejido von San Sebastián Bachajón, Angehörige der Sechsten Erklärung:
An unsere Compañer@s Angehörige der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonsichen Urwald in allen Teilen der Welt:
An unsere zapatistischen Compañer@s:
An den Nationalen Indígena Kongress (CNI):
An die Völker der Welt:
Compañeras und Compañeros:

Wir übermitteln Ihnen Grüße und Umarmungen aus Kanada, den USA, England, Mexiko, Peru und Uruguay.

Wir, Hermann Bellinghausen, Hugo Blanco, Circulo de las Primeras Naciones de I’UQAM, Gustavo esteva, John Gibler, Grupo Solidaridad con Chiapas de Dorset, Malu Huacúja del Toro, Sylvia Marcos, Movimiento por Justicia del Barrio, Jean Robert y Raúl Zibechi, aus unseren verscheidenen Ecken der Welt möchten Ihnen einen bescheidenen Vorschlag mitteilen und hoffen Sie können uns begleiten von ihren eigenen Orten aus und mit ihrer eigenen Form der Durchführung der Globalen Aktionswoche in Solidarität mit den Ejidatarios von San Sebastián Bachajón, von Sonntag, den 4. Dezember, bis Samstag, den 10. Dezember 2016, Tag der Menschenrechte.
Diese Initiative wird von den Ejidatarios von San Sebastián Bachajón, Angehörigen der Sechsten Erklärung, unterstützt.

Compañeras und Compañeros,
die indigenen Tseltalgemeinden des Ejido San Sebastián Bachajón, so wie viel andere ursprüngliche Völker rund um die Welt, werden von den Streitkräften des Kapitalismus und der transnationalen Kooperationen angegriffen, die nicht ruhen werden, bis sie den gesamten Planeten mit ihren Megaprojekten des Todes zerstört haben.

In San Sebastián Bachajón begehrt die Habsucht der Regierungen und Unternehmen den Besitz der wunderschönen Wasserfälle von Agua Azul, um einen Tourismuskomplex für die Elite zu erschaffen und die natürlichen Ressourcen des indigenen Territoriums auszubeuten. Die Tseltalindígenas von San Sebastián Bachajón behindern ihre Pläne und Profite, die diese Ländereien von ihren Vorfahren geerbt haben und die sie wie einen großen Schatz der Menschheit behüten. Aus diesem Grund haben sie Drohungen, Aggressionen, willkürliche Verhaftungen, Gewaltsames Verschwindenlassen, Inhaftierung, Folter und Angriffe staatlicher Sicherheitskräfte und Paramilitärs erhalten.

Am 17. Oktober 2016 wurde der Menschenrechtsverteidiger und unermüdliche Gemeindeaktivist Domingo Pérez Álvaro, Opfer einer brutalen Attacke. Er wurde über drei Stunden festgehalten, bevor er schwer geschlagen und mit dem Tod bedroht wurde, von einer Gruppe Parteiangehöriger des offiziellen Ejidokommissars von San Sebastián Bachajón, Manuel Guzmán Álvaro, welche ihn schwer verletzt und ohne die Fähigkeit zu sprechen, zurückließen.

Es ist an der Zeit unsere Hände, Worte und Stimmen zu erheben, in Solidarität mit den Anhänger*innen der Sechsten Erklärung des Ejido San Sebastián Bachajón, die in ihrem würdigen Kampf eine Inspiration für uns alle sind, und die aktuell schwere Gewaltakte und Polizei- und Militarbelagerung ertragen, ebenso wie Vertreibungen und Plünderungen, in dem fortwährendem Versuch sie von ihren traditionellen Ländereien und geweihten Orten zu vertreiben. Diese letzten Bedrohungen und Akte brutaler Aggression verpflichten uns unsere Soldiarität zu zeigen.

Als unmittelbares Resultat der Entscheidung der Ejidatarios von San Sebastián Bachajón ihre Ländereien zu verteidigen, wurde ihr beliebter Anführer Juan Vázquez Guzmán am 24. April 2013, mit Waffen großen Kalibers brutal ermordet, ebenso wie der Gemeindeaktivist Juan Carlos Gómez Silvano durch mehr als 20 Schüsse am 20. März 2014 umgebracht wurde.
Domingo Pérez Álvaro wird momentan mit einem ähnlichen Schicksal bedroht.

Wir fordern das Ende der Morde, Angriffe und Gewaltandrohungen!

Als Teil der Politik der schlechten Regierung, sind momentan drei Compañeros aus San Sebastián Bachajón in Haft. Mehr als 150 Personen wurden seit 2007 inhaftiert. Wir fordern die Freiheit für Esteban Gómez Jiménez, Santiago Moreno Pérez und Emilio Jiménez Gómez, welche unrechtmäßig inhaftiert wurden!

Compañeras und Compañeros:
Die schlechten Regierungen und ihre Verbündeten in den multinationalen Kooperationen wollen die indigenen Völker zerstören und all jene, die von unten und links kämpfen, da der organisierte Widerstand der autonomen Gemeinden gegen ihre Kriege und die Zerstörung unserer natürlichen Ressourcen das Einzige ist, was die Mutter Erde für all unsere Kinder retten kann.
Deshalb, rufen wir Euch auf, euch dem würdigen Kampf der Ejidatarios von San Sebastián Bachajón anzuschließen, damit alle Lebensweisen und Leben ihren Platz haben.

Zu ehren all der Arbeit zur Verteidigung der Menschenrechte, die Domingo Pérez Álvaro geleistet hat, erheben wir die Stimme vom 4. bis 10. Dezember 2016, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, in Solidarität mit unseren Compañer@s der Sexta von Bachajón.
Deshalb rufen wir alle, die sich der Schaffung einer anderen besseren Welt, der Freiheit, der Gerechtigkeit, Demokratie und Würde, widmen, auf sich unseren Anstrengungen anzuschließen um Aktivitäten zu organisieren – von ihren eigenen Orten aus und entsprechend ihrer verschiedenen Methoden zu kämpfen – um die Globale Aktionswoche in Solidarität mit den Ejidatarios von San Sebastián Bachajón zu organisieren: von Sonntag, den 4. Dezember, bis Samstag, den 10. Dezember 2016, Internationaler Tag der Menschenrechte.

Wir bitten Sie uns so schnell wie möglich zu informieren ob Sie den Vorschlag akzeptiert und ob Sie teilnehmen werden. Sie können uns über die folgende E-Mail Adresse kontaktieren: solidaridadconssb@gmail.com

Gemeinsam fordern wir auf der ganzen Welt folgendes:

  • Respekt für die fundamentalen Menschenrechte der Tseltalindígenas von San Sebastián Bachajón und Garantie ihrer Sicherheit und Integrität
  • Respekt und Garantie ihres Rechts der vollen Nutzung ihres Territoriums, sowie der Selbstbestimmung und Schaffung ihrer Autonomie
  • Das Ende der Plünderung, der Enteignung und Raubes der Gemeingüter
  • Das Ende der permanenten Polizeipräsenz und die Militarisierung der Zone, der Bedrohungen und Gewalt die sie erfahren
  • Eine gerechte und vollständige Untersuchung der Morde an Juan Vázquez Guzmán und Juan Carlos Gómez Silvano, um zu wissen, wer die materiellen und intellektuellen Urheber ihres Tod sind. Ebenso eine gerechte und vollständige Untersuchung des grausamen Angriffs auf Domingo Pérez Álvaro und die Bestrafung der Verantwortlichen.

Wir bitten Sie aufmerksam und bewusst darüber zu bleiben, was im Ejido San Sebastián Bachajón passieren möge, und die drei Ebenen der Regierung und ihre Lakeien für jedweden Akt der Aggression verantwortlich zu machen.

Widerstand ist Leben! Raub ist Mord!
Land, Gerechtigkeit und Freiheit für die Ejidatarios von San Sebastián Bachajón!
Polizei raus aus den indigenen Territorien!
Keine Aggressionen mehr gegen Anhänger*innen der Sexta!
Freiheit und Gerechtigkeit für Esteban Gómez Jiménez, Gefangener in Cintalapa de Figueroa, für Santiago Moreno Pérez und Emilio Jiménez Gómez, gefangene in Playas de Catazaja!
Es lebe Juan Vázquez Guzmán! Der Kampf von Bachajón geht weiter!
Es lebe Juan Carlos Gómez Silvano! Der Kampf von Bachajón geht weiter!
Es lebe die EZLN! Es lebe der CNI!

Mit Umarmungen der Liebe und Solidarität aus den foldenen Ecken der Erde:

Hermann Bellinghausen, Mexiko
Movimiento por Justicia del Barrio, USA
Raúl Zibechi, Uruguay
Sylvia Marcos, Mexiko
Jean Robert, Mexiko
Gustavo Esteva Figueroa, Mexiko
Grupo Solidaridad con Chiapas de Dorset, England
Hugo Blanco Galdos, Peru
Malú Huacuja del Toro, USA
Circulo de las Primeras Naciones de l’UQAM, Kanada
John Gibler, Mexiko

Quelle: Viva Bachajón

.



.

Erneuter Angriff in San Sebastián Bachajón

Am 21. März 2015 meldeten die Ejidatari@s von San Sebastián Bachajón in einem comunicado die Inbrandsetzung ihres regionalen Sitzes San Sebastián durch 600 uniformierte staatliche Sicherheitskräfte unter Teilnahme des offiziellen Ejidokommissars und dessen Sicherheitsberater, Angehörige der PRI.

Die Ejidatari@s, Anhänger*innen der SEXTA, erklärten:
„Nach der gewaltsamen Vertreibung vom 9. Januar 2015 errichteten wir den Regionalsitz San Sebastián um damit fortfahren zu können die Ländereien zu schützen und den Rücktritt/Rückzug der schlechten Regierung zu fordern, wo wir weitermachen weil wir von diesen Ländereien stammen und wir werden nicht erlauben, dass die schlechte Regierung kommt um dem Volk zu befehlen.“

Es wird auch darüber berichtet, dass die Gruppe des offiziellen Ejidokommissars Straßenblockaden an der Kreuzung zu den Wasserfällen von Agua Azul durchführt, um die organisierten Ejidatari@s von Bachajón als Schuldige darzustellen, und Bäume fällen um ein Delikt zu kreieren und die autonomen Autoritäten von Bachajón dafür verantwortlich zu machen.

Die Anhänger*innen der SEXTA von San Sebastián Bachajón fordern den Rückzug der öffentlichen Sicherheitskräfte von ihren Ländereien und der Nationalen Kommission zum Schutz von Naturgebieten sowie die Freilassung ihrer politischen Gefangenen Juan Antonio Gómez Silvano, Mario Aguilar Silvano, Roberto Gómez Hernández und weiterer politischen Gefangenen (Santiago Moreno Perez, Emilio Jimenez Gomez und Esteban Gomez Jimenez).

Während des Vorfalls am 21. März wurden auch zwei Angehörige freier Medienkollektive, die vor Ort waren um den Angriff auf den Regionalsitz zu dokumentieren, von den Gruppen des offiziellen Ejidokommissars angegriffen – umzingelt, festgehalten, geschlagen, mit Macheten bedroht, beraubt (Handy, Kamera).

weitere Infos (auf spanisch):
http://regeneracion.mx/causas-justas/bachajon-chiapas-600-policias-incendian-sede-ejidal/
http://komanilel.org/2015/03/22/ataque-y-robo-a-medioslibres-por-grupos-oficialistas-en-aguaazul-ejido-de-san-sebastian-bachajon/
https://vivabachajon.wordpress.com/2015/03/22/11/



Auseinandersetzung um Tourismusprojekt in Chiapas

Tzeltal-Indigene besetzen erneut kommunales Land. Regierung antwortet mit Repression. Situation sehr angespannt, starke Polizeipräsenz in der Region
Wiederbesetzung von kommunalem Land in San Sebastián Bachajón

Wiederbesetzung von kommunalem Land in San Sebastián Bachajón QUELLE: RADIOZAPOTE.ORG

San Sebastián Bachajón, Chiapas. Im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas kam es um den Jahreswechsel wieder zu Auseinandersetzungen um den Zugang zur Tourismusattraktion Agua Azul. Am 21. Dezember besetzten im Ejido San Sebastián Bachajón circa 400 Bewohner und Anhänger der Sechsten Deklaration der EZLN erneut friedlich kommunales Land, auf dem sich die Zufahrtsstraße zu den Wasserfällen von Agua Azul befindet. Als Ejido werden kollektive Ländereien bezeichnet, die vom Staat an Gemeinden übertragen und von diesen an Kleinbauern weitergegeben wurden.

Das besagte Terrain wurde 2011 durch die chiapanekische und mexikanische Regierung illegal in Beschlag genommen, nachdem es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Partei PRI und Anhängern der Sechsten Deklaration um ein an der Zufahrtsstraße zu den Wasserfällen Agua Azul errichtetes Kassenhäuschen kam. Trotz eines laufenden juristischen Verfahrens gegen die Inbesitznahmeerrichteten staatliche Behörden verschiedene Gebäude auf dem Gemeindeland. So unter anderem ein eigenes Kassenhäuschen, das unter der Verwaltung der Nationalen Kommission für Naturschutzgebiete (Conanp) und des chiapanekischen Finanzministeriums steht.

Während der Räumung durch die Polizei QUELLE: RADIOZAPOTE.ORG

Die indigenen Aktivisten beschuldigen den Ejido-Kommissar Alejandro Moreno Gómez der Korruption und fordern den Abzug der staatlichen Behörden und Sicherheitskräfte von ihrem Land sowie die Verwaltung der Einnahmen durch die Ejido-Bewohner selbst. Zudem sprechen sie sich gegen den Bau der Autobahn San Cristobal – Palenque aus und fordern die Freilassung von politischen Gefangenen aus Bachajón.

In den Tagen nach der Wiederbesetzung kam es zu Drohungen und Aggressionen von Seiten staatlicher Autoritäten und Sicherheitskräfte sowie von Kommissar Gómez nahestehenden paramilitärischen Gruppierungen. Am Morgen des 9. Januar wurde das besetzte kommunale Land schließlich durch 900 Polizisten geräumt. Als Antwort auf die Räumung errichteten Anhänger der Sechsten Deklaration am 11. Januar eine unbefristete Straßenblockade auf der Straße San Cristobal – Palenque. Laut Berichten von EZLN-Anhängern versuchten Polizeieinheiten unter Einsatz von Schusswaffen die Blockade zu beenden. Dabei wurden mehrere Personen verletzt. Aktuell wird eine permanente Kundgebung an der Straßenkreuzung nach Agua Azul abgehalten. Die Situation ist weiterhin sehr angespannt, und es herrscht eine starke Polizeipräsenz in der Region.

Als Antwort blockieren Aktivisten die Straße San Cristobal – Palenque QUELLE: RADIOZAPOTE.ORG

Das Ejido San Sebastián Bachajón im Landkreis Chilón ist eines der größten Ejidos Mexikos und verfügt über eine große Biodiversität und eine Vielzahl von natürlichen Ressourcen. Außerdem ist es der Eingang zu der Touristenattraktion Agua Azul und Teil des Centro Integralmente Planeado Palenque (CIPP), eines geplanten Megatourismusprojekts in der Region. In den vergangenen Jahren kam es im Zusammenhang mit dem Landkonflikt zu zahlreichen Verhaftungen. 2013 und 2014 wurden die Aktivisten Juan Vázquez Guzmán und Juan Carlos Gómez Silvano ermordet. Anhänger der Sechsten Deklaration und Menschenrechtsorganisationen machen die chiapanekische und mexikanische Regierung sowie die Interessen, die hinter dem Tourismusprojekt CIPP stecken, für den Konflikt verantwortlich.

.

*******************************************

.

Video Bachajón – Angriff vom 11. Januar 2015

Chronik eines Widerstandes – mit Wut und Rebellion

Die Ereignisse vom 11. Januar 2015 an der Kreuzung zu den Wasserfällen von Agua Azul, Ejido San Sebastián Bachajón, Chiapas, als während eines Angriffs der Polizei auf die Blockaden der Anhänger*innen der Sexta von San Sebastián Bachajón zwei junge Männer verletzt wurden.

.

*************************************************

.

Bachajon – Meldung über mögliche Bedrohung durch Paramilitärs

12. Januar 2015, 18.30 Uhr.
Ejidatarios von Bachajón informieren darüber, dass sich Paramilitärs der Gemeinde Pamalha, angeführt durch Manuel Jimenez Moreno, und der Gemeinde Xanil, angeführt durch Juan Álvaro Moreno, Jeremías Cruz Hernandez und Francisco Jimenez Hernandez, in Richtung der enteigneten Landereien bewegen, wo sich die bundesstaatliche Polizei befindet, um eine mögliche Vertreibung und Aggression gegen die Compañeros zu unterstützen.

Die Polizeilastwagen sind nicht mehr vor Ort und die Polizisten entfernten sich Richtung Tumbalá, zu den Wasserfällen von Agua Azul. Was passieren kann, ist, dass diese, dem Ejidokommissar nahe stehenden Gruppen, gemeinsam mit der Polizei die Ejidatari@s vertreiben.

Quelle: http://komanilel.org/2015/01/12/ultimas-noticias-sobre-bachajon/

.

*********************************************************

.

#AlertaBachajón – Angriff durch Polizei [aktualisiert]

Bachajon

 

11. Januar 2015 – Die Polizei schießt auf Tzeltalindigene von San Sebastián Bachajón als diese versuchten ihre Ländereien bei Agua Azul wieder zu erlangen.
Die Anhänger*innen der Sechsten Deklaration des Lacandonischen Urwalds blockierten am Morgen gegen 6.30 Uhr die Kreuzung zu den Wasserfällen von Agua Azul. Sie errichteten Barrikaden mit Bäumen in 500m Entfernung der Kreuzung während sie aus 2 Fahrzeugen der Polizei beschoßen wurden.
Der Angriff dauerte etwa 15 bis 20 Minuten. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es 2 Verletzte durch Gummigeschosse und 1 großkalibriges Geschoss. Es wurden weitere Patronenhülsen von Schusswaffen auf dem Boden gefunden.
Die Indigenen wichen angesichts des Angriffes nicht zurück und konnten die Polizei gegen 7.30 Uhr zurückdrängen.
Die Forderung der Compañer@s der Sexta ist der Rückzug der Polizei von den Ländereien Bachajóns. Die Ejidatari@s werden es nicht zulassen, dass sie abermals von diesen Ländereien, deren legitime Eigentümer*innen sie sind, vertrieben werden.

Einer der Verletzten ist Juan Pérez Moreno.

Quelle: http://komanilel.org/2015/01/11/alertabachajon-policia-dispara-a-indigenas-tseltales-de-san-sebastian-bachajon-cuando-intentaron-recuperar-sus-tierras-frente-a-las-cascadas-de-agua-azul/

.

*******************************************************

.

Comunicado zur aktuellen Situation in Bachajón

Die Compañer@s aus Bachajón informieren in einem Comunicado vom 9. Januar 2015, dass die, nach dem Übergriff der staatlichen Sicherheitsbehörden, vermissten Compañeros in einer Gemeinde ausfindig gemacht werden konnten und wohlauf sind. Diese berichteten, dass sie dem Zugriff der Polizei entkommen konnten.

Die Polizeieinheiten befinden sich nach wie vor auf den kürzlich zurückeroberten Ländereien und bewachen diese.

Quelle: https://vivabachajon.wordpress.com/ultimas-noticias/

.

************************************************

.

Vertreibung und Verschwunde in Bachajón

10891609_563069443828405_5675899609713286835_n

  1. Januar 2015

Am 9. Januar 2015, gegen 6.30 Uhr morgens, drangen ca. 900 Polizisten (staatliche- und Bundeseinheiten) auf die von den organisierten Anhänger*innen der Sexta und Bewohner*innen von San Sebastián Bachajón am 21. Dezember 2014 zurückeroberten Ländereien. Die Anwesenden, darunter Frauen, Kinder und Alte, die ihre zurückeroberten Ländereien bewachten, wurden vertrieben. Seitdem sind 8 von ihnen verschwunden:
Mariano Pérez Álvaro
Miguel Jiménez Silvano
Juan Deara Pérez
Antonio Gómez Estrada
Manuel Gómez Estrada
Juan Gómez Estrada
Pascual Gómez Álvaro
Martín Álvaro Deara

Die organisierten Ejidatarios von Bachajón machen für die Vertreibung und das Verschwinden ihrer Compañeros die Regierung sowie den Ejidokommissar Alejandro Moreno Gómez und seinen Sicherheitsberater Samuel Díaz Guzmán verantwortlich.

Das ´Red Nacional de Organismos Civiles de Derechos Humanos – Todos los Derechos para Todas y Todos` hat eine Online-Petition dazu veröffentlicht, die unter http://redtdt.org.mx/2015/01/ejido-san-sebastian-bachajon-en-riesgo-de-ser-desalojado-nuevamente/mitgezeichnet werden kann.

Quelle und Nachricht aus Bachajón im Original:http://komanilel.org/2015/01/09/gobierno-de-chiapas-desaloja-a-ejidatarios-de-bachajon-de-sus-propias-tierras/

 

Comunicado zur aktuellen Situation in Bachajón

  1. Januar 2015

Die Compañer@s aus Bachajón informieren in einem Comunicado vom 9. Januar 2015, dass die, nach dem Übergriff der staatlichen Sicherheitsbehörden, vermissten Compañeros in einer Gemeinde ausfindig gemacht werden konnten und wohlauf sind. Diese berichteten, dass sie dem Zugriff der Polizei entkommen konnten.

Die Polizeieinheiten befinden sich nach wie vor auf den kürzlich zurückeroberten Ländereien und bewachen diese.

Quelle: https://vivabachajon.wordpress.com/ultimas-noticias/

.

***********************************************

,

Rückeroberung der Ländereien in Bachajón – Comunicado

Am 21. Dezember 2014, etwa gegen 7 Uhr morgens, eroberten 300 Ejidatarios von San Sebastian Bachajón die Ländereien von denen sie 2011 vertrieben wurden zurück, sowie das Kassenhäuschen auf dem Weg zu den Wasserfällen ´Agua Azul`.

Autonome Polizei von Bachajón

Ejido San Sebastian Bachajón Anhänger*innen der Sechsten Erklärung des Lacandonischen Urwaldes. Chiapas. Mexiko. 21. Dezember 2014

An die Räte der Guten Regierung,
an die EZLN,
an den Nationalen Indígenakongress,
an das Festival der Widerstände,
an die Compañer@s Anhänger*innen der Sechsten Erklärung des Lacandonischen Urwaldes,
an die Massen- und alternativen Kommunikationsmedien,
an das Netz gegen die Repression und für Solidarität,
an die Bewegung ´Justicia por el Barrio` New York,
an die nationalen und internationalen Menschenrechtsverteidiger*innen,
an das mexikanische Volk und die Welt.

Compañeros und Compañeras, unser Volk kämpft weiterhin gegen die Enteignung und Repression der schlechten Regierung die uns um jeden Preis unser Territorium, unsere natürlichen Ressourcen und unsere Würde als Volk nehmen will, aber wie während all der Zeit in der sich unser Volk organisiert hat um sich zu verteidigen und den Kampf zu verstärken, kann die schlechte Regierung diesen Kampf nicht stoppen weshalb sie uns attackiert und Juan Vázquez Guzmán am 24. April 2013 und Juan Carlos Gómez Silvano am 21. März 2014 umgebracht hat. Auch deshalb haben wir 3 inhaftierte Compañeros in Yajalón, Chiapas, Juan Antonio Gómez Silvano, Mario Aguilar Silvano und Roberto Gómez Hernández, welche gefoltert wurden von der Gemeindepolizei von Chilón und dem Beamten Rodolfo Gómez Gutiérrez der Staatsanwaltschaft Ocosingo, der dem Compañero Mario Aguilar Silvano eine Pistole an den Kopf gehalten hat und ihm einen Sack über den Kopf gezogen hat.

Wegen all dieser Ungerechtigkeiten der schlechten Regierung die uns Tod oder im Gefängnis sehen will, uns im Elend und Marginalisierung leben lässt, weil sie uns unser Land nimmt um es den großen Unternehmen und korrupten Politikern zu geben damit diese reicher werden während unsere Gemeinden an Hunger sterben, ohne Krankenhäuser oder Schulen. Sie kommen nur, wenn es Wahlkampagnen gibt und hinterlassen ihre Brosamen um die Leute abzulenken und von ihren Bedürfnissen zu profitieren. Wir lehnen diese schlechte Politik komplett ab, welche das Volk nur benutzt und ausbeutet. Als Organisation haben unsere Gemeinden in Versammlung beschlossen heute die Ländereien zurück zu erobern, welche am 2. Februar 2011 von der schlechten Regierung enteignet wurden, in Komplizenschaft mit dem Ejidokommissar Francisco Guzmán Jiménez (alias ´El Goyito`), und nun durch seinen treuen Jünger Alejandro Moreno Gomez und seinen Sicherheitsberater Samuel Díaz, welche den Interessen der schlechten Regierung und nicht dem Volk dienen.

Wir machen die 3 Ebenen der Regierung, repräsentiert durch die paramilitärischen Führer Enrique Peña Nieto, Manuel Velasco Coello und Leonardo Guirao Aguilar, verantwortlich für jedwede Aggression an unseren Compañeros und Compañeras die dabei sind die zurückeroberten Ländereien zu schützen, welche legal und legitim den Tzeltales von San Sebastián Bachajón gehören und nicht der schlechten Regierung. Deshalb verlangen wir, dass sie darauf verzichten sich mit ihrer Polizei oder Paramilitärs zu nähern.

Wir fordern die Freilassung unserer Gefangenen in Yajalón, JUAN ANTONIO GOMEZ SILVANO, MARIO AGUILAR SILVANO und ROBERTO GOMEZ HERNANDEZ; unsere Gefangenen in Playas Catazajá, SANTIAGO MORENO PEREZ und EMILIO JIMENEZ GOMEZ; und den Gefangenen in Amate ESTEBAN GOMEZ JIMENEZ.

Wir bitten alle Compañeros und Compañeras, Orgaisationen, Völker und Gemeinden von Mexiko und der ganzen Welt, dass sie wachsam bleiben sowie ihre Solidarität mit unseren Kampf denn gemeinsam können wir die Enteignung und Repression der schlechten Regierung besiegen.

Wir erklären unsere totale Ablehnung der Megaprojekte der Enteignung der chiapanekischen Völker und des ganzen Landes. Deshalb bekunden wir all unsere Solidarität mit den Compañeros und Compañeras des Ejido Tila, Los Llanos, Candelaria, San Francisco Xochicuautla, dem Tribu Yaqui, den Compañeros und Compañeras von Puebla, Morelos, Tlaxcala, Oaxaca und allen Völkern die dem Gefängnis, dem Tod und der Repression der schlechten Regierung Wiederstand leisten, sagen wir, dass sie weiter kämpfen sollen, denn sie sind nicht alleine.

Aus der nördlichen Zone des Staates Chiapas senden die Frauen und Männer von San Sebastián Bachajón kämpferische Grüße.

Nie wieder ein Mexiko ohne uns.

Hochachtungsvoll

Land und Freiheit! Es lebe Zapata!
Immer bis zum Sieg!
Freiheit für die politischen Gefangenen!
Es lebe Juan Vázquez Guzmán, der Kampf von Bachajón geht weiter!
Es lebe Juan Carlos Gómez Silvano, der Kampf von Bachajón geht weiter!
Nein zur Enteignung der indigenen Territorien!
Sofortige Präsentation der verschwundenen Compañeros von Ayotzinapa!
GERECHTIGKEIT FÜR AYOTZINAPA, ACTEAL, ABC, ATENCO!

******************************************************************

Entführung in San Sebastián Bachajón

 

Am 16.9.2014 um 1:00 nachts wur­den Tzel­tal-In­di­genas Juan An­to­nio Gomez Sil­va­no, Mario Agui­lar Sil­va­no und Ro­ber­to Gomez Her­nan­dez, An­hän­ger der Sechs­ten De­kla­ra­ti­on und Be­woh­ner der zum Ejido San Se­bas­ti­an Bach­a­jon ge­hö­ren­den Ge­mein­de Vir­gen de Do­lo­res (of­fi­zi­el­ler Land­kreis Chilón, Ch­ia­pas,) mit Schuss­waf­fen von An­ge­hö­ri­gen der Po­li­zei des Land­krei­ses Chilón an­ge­grif­fen. Dies ge­schah, wäh­rend ihres Fuß­mar­sches auf dem Rück­weg von Chilón nach Vir­gen de Do­lo­res. Sie wur­den zu einem nicht be­kann­ten Auf­ent­halts­ort ver­schleppt. Zwei wei­te­ren Compañeros ge­lang es, der Po­li­zei zu ent­ge­hen. Sie schaff­ten es, in ihre Ge­mein­de zu­rück­zu­keh­ren und über die Ge­scheh­nis­se zu be­rich­ten.

Nach­fra­gen bei der ört­li­chen Po­li­zei er­brach­ten bis­lang keine Er­kennt­nis­se über den Auf­ent­halts­ort der Ver­schlepp­ten.

Einer der Ver­schwun­de­nen ist der Bru­der von Juan Car­los Gómez Sil­va­no, der am 21.3.2014 mit 20 Schüs­sen bru­tal er­mor­det wurde. Ei­ni­ge Wo­chen nach dem Mord wur­den zwei Per­so­nen durch Ge­mein­de­mit­glie­der fest­ge­nom­men und den Ver­tre­tern des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums über­ge­ben. Diese bei­den, na­ment­lich Jerónimo Hernández Gómez und Se­bas­tián Méndez Hernández be­fin­den sich der­zeit in Un­ter­su­chungs­haft im ge­fäng­nis El Amate. Der Letzt­ge­nann­te war zum Zeit­punkt der Er­mor­dung von Juan Car­los Gómez Sil­va­no Po­li­zist der ört­li­chen Po­li­zei von Chilón.

Es gibt den be­grün­de­ten Ver­dacht, dass es sich bei dem oben be­schrie­be­nem An­griff vom 16.9. um einen Ra­che­akt für die Ver­haf­tung des Po­li­zis­ten Se­bas­tián Méndez Hernández han­delt, der an der Er­mor­dung von Juan Car­los Gómez Sil­va­no be­tei­ligt war.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen auf Spa­nisch:
Re­pu­di­an tzel­ta­les con­struc­ción de au­to­pis­ta a Pa­len­que; de­n­un­ci­an cap­tu­ra de tres indígenas
http://educaoaxaca.org/la-minuta/1411-un-polic%C3%ADa,-pres­un­to-ase­si­no-de-nor­ma­lis­ta-ka­renth-gonz%C3%A1lez.html#ti­tu­lo5
http://www.chiapasparalelo.com/noticias/chiapas/2014/09/denuncian-captura-y-desaparicion-de-tres-tseltales-en-chilon/

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen auf Eng­lisch:
http://dorsetchiapassolidarity.wordpress.com/2014/09/17/urgent-information-from-the-community-of-virgen-de-dolores-ejido-san-sebastian-bachajon/

Quel­le:
chiapas.eu http://www.chiapas.eu/news.php?id=7729

http://sanmarcosberlin.blogsport.de/?p=115

*******************************************************************************

Solidaritäts-Aktion mit der widerständigen Gemeinde San Sebastián Bachajón (Chiapas)

SolidaridadBachajon

„Juan Vázquez Guzmán lebt wei­ter! Der Kampf von San Se­bas­tián Bach­ajón geht wei­ter! – So­li­da­ri­tät aus Düs­sel­dorf/Deutsch­land.“

Wäh­rend un­se­rer Ver­an­stal­tung „Neo­ko­lo­nia­lis­mus und Bio­pi­ra­te­rie: die GIZ“ am 24.4.2014 haben wir auch eine klei­ne So­li-Ak­ti­on für die wi­der­stän­di­ge Ge­mein­de San Se­bas­tián Bach­ajón (Ch­ia­pas) ge­macht.

An­lass war der erste Jah­res­tag des Mor­des an Juan Vázquez Guzmán (Bild links), Spre­cher der Ge­mein­de San Se­bas­tián Bach­ajón. Die Ge­mein­de, die ihr Land und ihr Zu­sam­men­le­ben als „ejido“ or­ga­ni­siert, also im Kol­lek­tiv und als Kol­lek­tiv-Be­sitz, kämpft seit Jah­ren gegen die Ab­sich­ten der me­xi­ka­ni­schen Re­gie­rung und gro­ßer Kon­zer­ne, die die Ge­mein­de ver­trei­ben wol­len, um die Re­gi­on für Lu­xus-Tou­ris­mus nutz­bar zu ma­chen. Auf dem Land der Ge­mein­de, di­rekt neben den Was­ser­fäl­len von Agua Azul im Re­gen­wald, soll eine Be­zahl-Au­to­bahn und ein tou­ris­ti­scher Kom­plex in­klu­si­ve Hotel, Golf-Platz und He­li­ko­pter-Lan­de­platz ent­ste­hen. Das von der lo­ka­len Be­völ­ke­rung ge­mein­schaft­lich ge­nutz­te Land und die Natur sol­len in eine Ware ver­wan­delt wer­den, die zum Nut­zen der po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Eli­ten aus­ge­beu­tet wer­den.

Dafür setzt die Re­gie­rung und die Kon­zer­ne mas­si­ve Re­pres­si­on ein und schreckt auch vor Mord nicht zu­rück. Juan Vázquez Guzmán wurde am 24.4.2013 im Alter von 33 Jah­ren vor sei­nem Haus von Un­be­kann­ten er­schos­sen. Am 21.3.2014 wurde der Ak­ti­vist Juan Car­los Gómez Sil­va­no (Bild rechts), 22 Jahre alt, eben­falls von Un­be­kann­ten er­schos­sen. Er war in San Se­bas­tián Bach­ajón Ko­or­di­na­tor des lin­ken, me­xi­kowei­ten Ba­sis-Netz­werks „La Sexta“. Bis­her haben die me­xi­ka­ni­schen Be­hör­den fast nichts un­ter­nom­men, die Morde auf­zu­klä­ren.
Doch die Ge­mein­de lässt sich nicht ein­schüch­tern und setzt ihren Kampf um ihr Land, ihre Le­bens­wei­se und ihre Würde fort. Grup­pen aus New York, Eng­land, In­di­en und Ka­li­for­ni­en haben zu So­li-Ak­tio­nen auf­ge­ru­fen. In den 2 Wo­chen um den 24.4.2014 gibt es daher Ak­tio­nen in ver­schie­de­nen Städ­ten in Me­xi­ko, In­di­en, Süd­afri­ka, Ka­na­da, Ko­lum­bi­en, Gaza, Deutsch­land, Grie­chen­land, USA und Neu­see­land. Das Foto un­se­rer Ak­ti­on haben wir zu­sam­men mit einem Brief an die Ge­mein­de ge­schickt.

Wei­te­re Infos fin­det ihr hier:
* Seite des So­li­da­ri­täts-Netz­wer­kes für San Se­bas­tián Bach­ajón mit Ar­ti­keln, Vi­de­os und Er­klä­run­gen in Deutsch, Spa­nisch, Eng­lisch und an­de­ren Spra­chen
* Er­klä­rung des Ejido San Se­bas­tián Bach­ajón über die Er­mor­dung des Compañero Juan Car­los Gómez Sil­va­no (deut­sche Über­set­zung)
* Mord für »Ent­wick­lung« (Ar­ti­kel zum Mord an Juan Car­los Gómez Sil­va­no)
* Ak­ti­vist in Ch­ia­pas er­mor­det (Ar­ti­kel zum Mord an Juan Vázquez Guzmán)

********************************************************************************

Artikel zur Ermordung von Juan Carlos Gómez Silvano

Mord für »Ent­wick­lung«

 

Agua Azul

Agua Azul

In Ch­ia­pas wird ein in­di­ge­ner Ak­ti­vist und Wi­der­stands­kämp­fer gegen Groß­pro­jek­te von »Un­be­kann­ten« aus dem Weg ge­räumt

In Ch­ia­pas wurde der Ak­ti­vist Juan Car­los Gómez Sil­va­no er­schos­sen. Der Pro-Za­pa­tist war eine Schlüs­sel­fi­gur im Wi­der­stand gegen in­fra­struk­tu­rel­le Groß­pro­jek­te. Die Land­kon­flik­te gehen wei­ter.

Die Re­pres­si­on gegen linke Ak­ti­vis­ten im süd­me­xi­ka­ni­schen Bun­des­staat Ch­ia­pas, die sich für eine selbst­be­stimm­te Nut­zung ihrer Län­de­rei­en ein­set­zen, hat einen neuen Hö­he­punkt er­reicht. Am 21. März wurde Juan Car­los Gómez Sil­va­no im Land­kreis Chilón von Un­be­kann­ten mit über 20 Schüs­sen er­mor­det.

Der 22-jäh­ri­ge Tzel­tal-In­di­ge­ne un­ter­stütz­te seit Jah­ren den Kampf sei­ner Ge­mein­de San Se­bas­tián Bach­ajón gegen in­fra­struk­tu­rel­le Groß­pro­jek­te, die in der Re­gi­on von Re­gie­rung und Wirt­schaft vor­an­ge­trie­ben wer­den. Zum einen soll eine Au­to­bahn zwi­schen den tou­ris­ti­schen Hoch­bur­gen San Cristóbal de las Casas und Pa­len­que ent­ste­hen, für die eine Ent­eig­nung der Län­de­rei­en von dut­zen­den Ge­mein­den durch­ge­setzt wer­den müss­te. Zwei­tens soll der Aus­flugs­ort Agua Azul, der wegen sei­ner im­po­san­ten tür­kis­far­be­nen Was­ser­fäl­le be­rühmt ist, er­heb­lich er­wei­tert wer­den, doch in der Um­ge­bung leben Za­pa­tis­tas und an­de­re Op­po­si­tio­nel­le, die seit Jahr­zehn­ten Wi­der­stand gegen neo­li­be­ra­le Ent­wick­lungs­pro­jek­te leis­ten.

Ein gro­ßer Teil der über 5000 Be­woh­ner von Bach­ajón un­ter­stützt die »Sechs­te De­kla­ra­ti­on aus dem La­kan­do­ni­schen Re­gen­wald«. Hier han­delt es sich um eine lang­fris­ti­ge pa­zi­fis­ti­sche Mo­bi­li­sie­rung, zu der die Za­pa­tis­ti­sche Be­frei­ungs­ar­mee EZLN 2005 die me­xi­ka­ni­sche Be­völ­ke­rung auf­ge­ru­fen hatte, um eine an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­sche und ba­sis­de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaft auf­zu­bau­en.

Ri­car­do La­gu­nes, An­walt der An­hän­ger der »Sechs­ten De­kla­ra­ti­on« aus Bach­ajón, schil­dert ge­gen­über »nd« den kla­ren Kon­flikt zwi­schen dem Ak­ti­vis­mus von Gómez Sil­va­no und den Re­gie­rungs­in­ter­es­sen: »Erst vor zwei Mo­na­ten wurde Juan Car­los von sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on zum re­gio­na­len Ko­or­di­na­tor er­nannt, als An­er­ken­nung für sein En­ga­ge­ment bei der Ver­tei­di­gung des Ter­ri­to­ri­ums von Bach­ajón. Er lebte in dem Dorf Vir­gen de Do­lo­res, das 2010 im Rah­men einer Land­be­set­zung ge­grün­det wor­den war. Die Men­schen fin­gen an, das Land zu be­ar­bei­ten. Es wurde da­durch immer frucht­ba­rer und er­laubt ihnen nun, sich selbst zu ver­sor­gen und Über­schüs­se zu ver­kau­fen. Daher sind sie nicht ge­zwun­gen, die Hilfs­pro­gram­me der Re­gie­rung an­zu­neh­men. Die Compañeros sehen die bru­ta­le Er­mor­dung von Juan Car­los als eine Ag­gres­si­on gegen ihre Or­ga­ni­sa­ti­on mit dem Ziel, ihre Be­we­gung zu zer­schla­gen.«

Auch unter dem neuen Gou­ver­neur Ma­nu­el Ve­las­co von der Grü­nen Par­tei PVEM, die eng mit der au­to­ri­tä­ren In­sti­tu­tio­nel­len Re­vo­lu­tio­nä­ren Par­tei PRI ver­wo­ben ist, hat sich der Cha­rak­ter der Ent­wick­lungs­pro­jek­te nicht ver­än­dert. Die Re­gie­rung setzt wei­ter auf eine markt- und tech­no­lo­gie­fi­xier­te Mo­der­ni­sie­rung von oben. Mit so­ge­nann­ten Hilfs­pro­gram­men wird die Be­völ­ke­rung dazu ge­bracht, ihre Selbst­ver­sor­gungs­fel­der auf markt­för­mi­ge Pro­duk­te wie Öl­pal­me oder Kau­tschuk um­zu­stel­len oder sie für In­fra­struk­tur- und Tou­ris­mus­pro­jek­te frei­zu­ge­ben. Erst kürz­lich prä­sen­tier­te sich Me­xi­ko auf der Tou­ris­mus­mes­se ITB in Ber­lin als am­bi­tio­nier­tes Gast­land.

Doch bei na­he­zu allen Tou­ris­mus­pro­jek­ten pro­fi­tiert nur eine klei­ne Min­der­heit, viele Ge­mein­den wer­den durch die Pro­jek­te ge­spal­ten und pa­ra­mi­li­tä­ri­sche Ban­den grei­fen Op­po­si­tio­nel­le in ganz Ch­ia­pas an. Gómez Sil­va­no ist das zwei­te To­des­op­fer – al­lein in Bach­ajón. Be­reits am 24. April 2013 wurde Juan Vázquez von Un­be­kann­ten er­schos­sen. Die Täter kön­nen mit völ­li­ger Straf­lo­sig­keit rech­nen.

Die Ak­ti­vis­ten aus Bach­ajón ma­chen Gou­ver­neur Ve­las­co und Prä­si­dent Peña Nieto für die Morde ver­ant­wort­lich und geben sich wei­ter­hin kämp­fe­risch: »Un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on ist trotz der Re­pres­si­on vor­be­rei­tet, Wi­der­stand zu leis­ten und den Auf­bau der Au­to­no­mie fort­zu­füh­ren.«

Luz Ker­ke­ling

QUEL­LE: neues deutsch­land, 1.4.2014
http://www.neues-deutsch­land.de/artikel/928753.mord-fuer-entwicklung.html

So­li­da­ri­täts­er­klä­rung aus Eu­ro­pa:
spa­nisch: http://www.redcontralarepresion.org/contenido.php?cat=18&id=805
eng­lisch: http://www.europazapatista.org/#post3953

***********************************************************************

Aktivist aus San Sebastián Bachajón ermordet

Co­mu­ni­ca­do des Ejido San Se­bas­tián Bach­ajón über die Er­mor­dung des Compañero Juan Car­los Gómez Sil­va­no

Ejido San Se­bas­tián Bach­ajón
An­ge­hö­ri­ge der Sechs­ten De­kla­ra­ti­on des La­kan­don­si­chen Ur­wal­des
Ch­ia­pas, Me­xi­ko
23. März 2014

An die Compañer@s & An­ge­hö­ri­gen der Sechs­ten De­kla­ra­ti­on des La­kan­do­ni­schen Ur­walds
An die Mas­sen- und al­ter­na­ti­ven Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en
An die Räte der Guten Re­gie­rung
An die EZLN
An den Na­tio­na­len Indígena­kon­gress
An das Red con­tra la Re­pre­sión y por la So­li­da­ri­dad
An das Mo­v­imi­en­to de Jus­ti­cia por el Bar­rio de Nueva York
An die Ver­tei­di­ger*innen der Men­schen­rech­te na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal
An das me­xi­ka­ni­sche Volk und die Welt

Compañeros und Compañeras im Kamp­fe, am Frei­tag den 21. März 2014, un­ge­fähr 9 Uhr mor­gens wurde unser Compañero Juan Car­los Gómez Sil­va­no in einen Hin­ter­halt mit mehr als 20 Schüs­sen aus einer groß­ka­lib­ri­gen Waffe grau­sam um­ge­bracht, wäh­rend er sei­nen Trans­por­ter auf Höhe der Kreu­zung von San José Cha­pa­puy­il in Rich­tung der au­to­no­men Ge­mein­de Vir­gen de Do­lo­res, wel­che Jahre 2010 von un­se­rer Or­ga­ni­sa­ti­on ge­grün­det wurde, steu­er­te.

Im Mo­ment sei­ner Er­mor­dung, war Juan Car­los 22 Jahre alt, hatte das Amt des Re­gio­nal­ko­or­di­na­tors der Sechs­ten De­kla­ra­ti­on des La­kan­do­ni­schen Ur­walds im Ejido San Se­bas­tián Bach­ajón inne und war Vater eines sechs Mo­na­te alten Babys.

Als die Po­li­zei des Land­krei­ses Chilón und des Bun­des­staa­tes den Ort des Ge­sche­hens er­reich­ten be­gan­nen sie Fotos und Vi­de­os des Kör­pers un­se­res Compañeros zu ma­chen ohne Re­spekt für den Ver­stor­be­nen und seine Fa­mi­lie. Die Staats­an­walt­schaft in Chilón sagte, dass sie den Leich­nahm un­se­res Compañeros mit­nimmt um eine Aut­op­sie durch­zu­füh­ren, aber das lie­ßen wir nicht zu, weil es unser Brauch ist, nah­men wir ihn mit in die Ge­mein­de Vir­gen de Do­lo­res um ein Gebet für ihn ab­zu­hal­ten.

Seit­dem wir die Ge­mein­den Nah Choj und Vir­gen de Do­lo­res 2010 ge­grün­det haben, wurde un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on mehr­mals durch die Armee und die Lan­des­po­li­zei an­ge­grif­fen, mit Ver­trei­bung durch Pre­pres­si­on der­je­ni­gen be­droht, die sich Ein­gen­tü­mer nen­nen, dar­un­ter ein ehe­ma­li­ger Prä­si­dent des Land­krei­ses Chilón, die die Spal­tung und den Kauf des Be­wusst­seins ei­ni­ger ehe­ma­li­ger Compañeros mit ihren Bro­sa­men för­dern, wie sie es mit Car­men Agui­lar Gómez Pri­me­ro und sei­nem Sohn Car­men Agui­lar Gómez Se­gun­do ge­macht haben. Als sie sich an den Ge­ne­ral­se­kre­tär der Re­gie­rung Juan Sa­bi­nes Gu­er­re­ro, Noé Castañón León, ver­kauf­ten, or­ga­ni­sier­ten sie sich für die Räu­mung un­se­res Kas­sen­häus­chens am 2. Fe­bru­ar 2011 und ver­trie­ben uns von un­se­ren Län­de­rei­en in Kom­pli­zen­schaft mit dem ehe­ma­li­gen Eji­do­kom­mis­sar von San Se­bas­tián Bach­ajón, Fran­cis­co Guzmán Jiménez (alias El Go­y­ito).

Die schlech­te Re­gie­rung will uns völ­lig fer­tig ma­chen indem sie un­se­re Compañeros um­bringt, wie sie es mit Juan Vázquez Guzmán am 24. April 2013 ge­macht hat, mit ihren pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Auf­trags­kil­lern die in völ­li­ger Straf­frei­heit, sei es bei Nacht oder bei Ta­ges­licht, in der Lage sind nie­der­träch­tig un­se­re Compañeros um­zu­brin­gen, wel­che dafür ar­bei­ten und kämp­fen eine Welt in die viele Wel­ten pas­sen zu kon­stru­ie­ren, und die tag­täg­lich den At­ta­cken des ka­pi­ta­lis­ti­schen Sys­tems Wi­der­stand leis­ten, das will, dass wir ver­schwin­den um un­se­re Mut­ter­er­de, das Was­ser, die Flüs­se, die Was­ser­fäl­le zu be­kom­men und alles was ihm nutzt um mehr Geld zu ma­chen, auf Kos­ten un­se­res Le­bens und Lei­dens.

Die wah­ren Ver­bre­cher, Mör­der und Kor­rup­te sind die Po­li­ti­ker die in ihren Re­gie­rungs­tüh­len sit­zen. Ob­wohl sie durch Be­trug und Stim­men­kauf auf ihre Pos­ten ge­kom­men sind, mei­nen sie die Be­sit­zer und Her­ren von dem, was in un­se­ren Län­de­rei­en exis­tiert, zu sein und wol­len sich jeden Tag rei­cher ma­chen, egal wie viele Indígenas sie töten müs­sen, um das zu er­rei­chen. Wie der Land­kreis­prä­si­dent von Chilón, Leonar­do Gui­rao Agui­lar, Par­tei­an­ge­hö­ri­ger der PVEM (Grüne Öko­lo­gi­sche Par­tei Me­xi­kos) und Autor der Ent­eig­nung un­se­rer Län­de­rei­en, da er die Waf­fen der be­waff­ne­ten Grup­pen, an­ge­führt durch Car­men Agui­lar Gómez Pri­me­ro, Juan Al­va­ro Gómez, Ma­nu­el Jiménez, fi­nan­ziert hat, die un­se­re Compañeros im Fe­bru­ar 2011 aus dem Kas­sen­häus­chen ver­tie­ben haben.

Un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on hat die Würde wei­ter­hin auf­recht zu kämp­fen und sein Volk zu ver­tei­di­gen und trotz­dem wir viele in­haf­tier­te und er­mor­de­te Compañeros hat­ten, haben wir keine Angst, denn wir sind auf dem Weg den un­se­re Groß­el­tern ver­folg­ten. Un­se­re Vor­fah­ren haben uns die Weis­heit ge­ge­ben, die Zei­chen des Le­bens und der Zeit zu lesen, die schlech­ten Re­gie­run­gen kom­men und gehen, aber die Völ­ker, die wir Wi­der­stand ge­leis­tet haben, sind hier und wer­den wei­ter kämp­fen, koste es was es wolle.

Eines Tages sagte unser Compañero Juan Vázquez Guzmán, dass unser Kampf für das Leben un­se­res Volkes ist weil wir blei­ben wol­len wer wir sind. Kurz vor dem Jah­res­tag der Er­mor­dung von Juan Vázquez Guzmán, schick­te die schlech­te Re­gie­rung ihre Mör­der um un­se­re Ge­mein­de Vir­gen de Do­lo­res zu stö­ren, die mit viel Ar­beit und Op­fern ge­bo­ren wurde, aber nun ge­dei­hen die Mais­fel­der und Früch­te der guten Mut­ter­er­de um un­se­re Kin­der zu er­näh­ren. Der Compañero Juan Car­los Gómez Sil­va­no ist Teil der Grün­dung und des Auf­baus der Au­to­no­mie in der Ge­mein­de Vir­gen de Do­lo­res, seine Teil­ha­be und Ar­beit für die Or­ga­ni­sa­ti­on und die Ge­mein­de wird nie ver­ges­sen wer­den, denn wir tra­gen sie in un­se­ren Her­zen.

Ma­nu­el Ve­las­co Co­el­lo und En­ri­que Peña Nieto irren sich, wenn sie den­ken, dass sie uns mit Ge­walt und Re­pres­si­on fer­tig ma­chen kön­nen. Un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on ist be­reit Wi­der­stand zu leis­ten und den Auf­bau der Au­to­no­mie fort­zu­füh­ren, das, was im Ge­setz und den Taten für die in­di­ge­nen Ge­mein­den ver­wei­gert wor­den ist.

Wir be­grü­ßen alle Ges­ten der So­li­da­ri­tät und Un­ter­stüt­zung un­se­res Kamp­fes, von na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen. Wir, die Män­ner und Frau­en von San Se­bas­tián Bach­ajón, wol­len euch sagen, dass wir auch auf­merk­sam sind gegnüber euren Wort und Kampf. Von un­se­rer Geo­gra­fie aus, haben wir, in So­li­da­ri­tät mit euch, un­se­re Faust er­ho­ben.

Emp­fangt eine kämp­fe­ri­sche Um­ar­mung aus der Nörd­li­chen Zone von Ch­ia­pas.
Nie wie­der ein Me­xi­ko ohne uns.

Hoch­ach­tungs­voll

!Land und Frei­heit!
!Es lebe Za­pa­ta!
!Bis zum Sieg, immer!
!Frei­heit den po­li­ti­schen Ge­fan­ge­nen!
!Es lebe Juan Vázquez Guzmán, der Kampf in Bach­ajón geht wei­ter!
!Es lebe Juan Car­los Gómez Sil­va­no, der Kampf in Bach­ajón geht wei­ter!
!Nein zum Raub der in­di­ge­nen Ter­ri­to­ri­en!

De­n­un­cia im Ori­gi­nal: http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2014/03/25/en-ejido-san-sebastian-bachajon-aderentes-a-la-sexta-declaracion-de-la-selva-lacandona-chiapas-mexico-a-23-de-marzo-de-2014/

 

***********************************************************************

Veranstaltung – Weltweite Aktionstage gegen Morde in Chiapas/ Mexiko

 

An­läss­lich des Mor­des an dem Ak­ti­vis­ten Juan Vázquez Gúzman am 24. April 2013 ruft die Otra Campaña New York zu einer in­ter­na­tio­na­len Ak­ti­ons­wo­che für So­li­da­ri­tät mit den An­hän­ger*innen der Otra/Sexta San Se­bas­tián Bach­ajón auf. Vom 25. Juni – dem Ge­burts­tag von Juan – bis zum 2. Juli sol­len welt­wei­te Ak­tio­nen in So­li­da­ri­tät mit den Kämp­fen in San Se­baas­tián Bach­ajón, für Ge­rech­tig­keit für die Er­mor­dung Juans und der Opfer von Re­pres­sio­nen und po­li­ti­sche Ge­fan­ge­ne statt­fin­den.
Am 28. Juni fin­det in Ber­lin eine In­fo­ver­an­stal­tung, mit Vor­trag und Film, über den Kon­flikt und die jüngs­ten Er­eig­nis­se in Bach­ajón statt.

Datum: 28. Juni 2013
Be­ginn: 20 Uhr Vor­trag
da­nach Vokü (vegan) und Film „Wenn das Land zur Ware wird“ (http://www.zwischenzeit-muenster.de/land-film.html)
Ort: Stadt­teil­la­den Zie­lo­na Góra – Grün­ber­ger Str. 73, am Boxi, Ber­lin-F’Hain

wei­te­re Infos.
http://international.nostate.net/veranstaltung-weltweite-aktionstage-gegen-morde-in-chiapasmexiko/
https://vivabachajon.wordpress.com/

*******************************************************************

DOKUMENTARFILM

WENN DAS LAND ZUR WARE WIRD

Die Zerstörung der Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung in Südmexiko 

WENN DAS LAND ZUR WARE WIRD
Die Zerstörung der Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung in Südmexiko
MEX/BRD 2013 – 71 min.
Produktion: Dorit Siemers, Luz Kerkeling Zwischenzeit e.V.

******************************************************************

Zapatistischer Aktivist vor seinem Haus ermordet

Von 

amerika21.de. 02.05.2013

IMG_0158San Cristóbal de Las Casas/Mexiko.In der Nacht vom 24. auf den 25. April ist der zapatistische Aktivist und Anhänger der “Anderen Kampagne”, Juan Vázquez Guzmán, vor seiner Haustür von unbekannten Angreifern mit fünf Schüssen tödlich niedergestreckt worden. Der Mord ereignete sich in der Gemeinde von San Sebastián Bachajón, die nahe den Wasserfällen von Agua Azul und auf halbem Wege zwischen Ocosingo und dem Tourismuszentrum Palenque liegt. In der Region gibt es seit mehreren Jahren Konflikte um den Zugang zu Land und Bodenschätzen.

In einem Eilschreiben vom darauf folgenden Tag verurteilt das in Chiapas aktive Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas die Tat. Die zapatistischen Anhänger der Gemeinde von San Sebastián Bachajón selbst forderten in einem Brief, dass “der Mord nicht straflos” bleiben solle. Gleichzeitig verorten sie die Ermordung in den Kontext rund um die Verteidigung ihres Landes und Territoriums vor wirtschaftlichen Großprojekten, wogegen Guzmán sich seit 2007 aktiv zur Wehr setzte und weswegen ein Teil der Gemeinde im gleichen Jahr entschied, sich der zapatistischen Bewegung anzuschließen.

In der Region um Bachajón galt Guzmán als einer der wichtigen Organisatoren innerhalb der “Anderen Kampagne”. Diese landesweite Initiative zur Vernetzung lokaler Basiskämpfe wurde von der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) 2005 im Zuge der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald ausgerufen. Seit April 2010 agierte Guzmán als Generalsekretär der “Anderen Kampagne” in dieser Gegend. Darüber hinaus engagierte er sich für die Freilassung politischer zapatistischer Gefangener und war als Redner und Repräsentant auf verschiedenen Foren und Veranstaltungen auch außerhalb von Chiapas zugegen.

Mit der Ermordung einer der lokalen Schlüsselfiguren sollte offenbar die Struktur der zapatistischen aufständischen Bewegung direkt angegriffen werden. In diesem Zusamenhang ist auch die Erklärung der Zapatistas aus Bachajón zu verstehen, die sie nur einige Tage vor der Mordtat, am 17. April, veröffentlichten und in welcher sie die andauernde Straflosigkeit im Rahmen der gewaltsamen Landvertreibungen anprangern.

(milenio/enlacezapatista)

******************************************************************************

Aktivist in Chiapas ermordet

10. Mai 2013

Juan Vázquez Guzmán

Juan Vázquez Guzmán, Aktivist aus San Sebastián Bachajón, Chiapas, wurde in der Nacht des 24. April 2013 vor seinem Haus durch sechs Schüsse getötet. Die Täter*innen sind noch nicht identifiziert und es bleibt abzuwarten, ob eine Untersuchung und Aufklärung des Mordes durch die mexikanischen Behörden stattfinden wird.

Juan war seit 2007 im Landkreis Chilón für die Verteidigung des Bodens (Ländereien) in seiner Gemeinde Bachajón gegen staatliche Enteignung aktiv eingetreten und engagierte sich in der mexikoweiten zivilgesellschaftlichen Otra Campaña/ La Sexta (Andere Kampagne).
Selbst Kleinbauer, setzte er sich für die Rechte der indigenen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in seiner Region ein, die v.a. durch staatlich forcierte Tourismusprojekte, im Gebiet der Wasserfälle ´Agua Azul`, in ihrer Existenzgrundlage bedroht sind.

Der Konflikt, um Land in Allgemeinen, und speziell um die Ländereien im touristisch attraktiven Naturgebiet nahe San Sebastián Bachajón hat in Teilen der Bevölkerung weitreichenden Widerstand gegen die staatliche Vereinnahmung der Naturressourcen erzeugt.
Ein Hauptkonflikt betrifft die touristische Nutzung der Wasserfälle und deren anliegenden Ländereien sowie die Einnamen aus selbigen.

Die Aktivist*innen fordern, als Ejidoeinwohner*innen und im Rahmen ihrer indigenen Selbstbestimmung, ihr Mitspracherecht im Bezug auf die Umsetzung von Entwicklungs- und Infrastrukturmaßnahmen innerhalb ihrer Gemeinden, gemäß ILO-Konvention 169, sowie eine Beteiligung an den Einnahmen durch den Tourismus. Sie lehnen die einseitige touristische Nutzung des Gemeindelandes (Ejido) und die damit verbundenen touristischen Zukunftspläne der Regierung ab.

Während der Auseinandersetzungen in der Region kam es zu starken Spaltungen innerhalb der Bevölkerung sowie gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den oppositionellen Aktivist*innen auf der einen und Projektbefürworter*innen und Polizei/staatlichen Behörden auf der anderen Seite.

Die Regierungsbehörden reagierten mehrfach mit massiver Repression. Im Jahr 2009 wurden mehrere Aktivist*innen monatelang willkürlich eingesperrt. 2011 wurden sogar zeitweilig 117 organisierte Aktivist*innen unrechtmäßig inhaftiert.

Als Sprecher und Delegierter der Aktivist*innen von Bachajón sprach sich Juan offen, laut und international wahrnehmbar gegen die Ausbeutung der Natur und die Vertreibung der Bewohner*innen dieser Region durch geplante, staatliche Tourismusprojekte aus.
Er setzte sich für politische Gefangene ein und klagte die politische Justiz in Mexiko unüberhörbar an.
Für diesen unerschrockenen Kampf, für die kollektiv genutzten Ländereien und Rechte der indigenen Bevölkerung, wurde er umgebracht.

Sozialen Bewegungen, wie in San Sebastián Bachajón, die sich lokal organisieren und Widerstand gegen ihre Marginalisierung und Entrechtung leisten, sind seit 2012 wieder verstärkt staatlichen und parastaatlichen Repressionen ausgesetzt.
In diesem Klima der strukturellen Unsicherheit, erzeugt durch die Aufstandsbekämpfung und Straflosigkeit, haben die Opfer (von Verfolgung, Verschwindenlassen, Folter und Mord) und ihre Angehörigen wenig Hoffnung auf Gerechtigkeit.

Dennoch ist die Forderung nach Aufklärung des Mordes ein Teil der wütenden Botschaft der Kampfgefährt*innen von Juan.

Auch in Europa löste die Nachricht der Ermordung Juans große Trauer und Wut aus. Verschiedene Solidaritätsgruppen aus ganz Europa beteiligten sich an diesem hier übersetzten Kondolenz- und Solidaritätsschreiben:

Desde Europa: condolencias y solidaridad ante el asesinato de Juan Vázquez

An Juan Vázquez Guzmán, an seine Familie und Compañer@s (Freunde, Kameraden)
An die Compañer@s von San Sebastián Bachajón;
An die Sexta;

25. April 2013

Eine starke Umarmung, mit Wut, Empörung und Trauer von den unten unterschreibenden Kollektiven.
Gerade haben wir die Nachricht des Mordes an Juan Vázquez Guzmán erhalten, ex-Generalsekretär der Anhänger*innen der Sexta des Ejido San Sebastián Bachajón, welche auch als Andere Kampagne bekannt ist.

Wir haben verschiedene Botschaften gelesen, die uns nach und nach erreichten und alle erinnern sich an den Freund und Genossen (Compañero) Juan wegen seinem großen Engagement und seinem überzeugten Einsatz für das Land und das Territorium, an seinen ständigen Kampf gegen Landraub, Tritte und Ausbeutung der Wasserfälle von Agua Azul durch die Regierung und gegen die Auferlegung des Kassenhauses. Der Compañero hat sich auch mit den Gefangenen solidarisiert die nach und nach im Gefängnis landeten, als einzige Botschaft der Regierung, außer Mord. Das Video über den Kampf für die Freiheit der Gefangenen von Bachajón und die Verteidigung des Territoriums, ist um die Welt gegangen, als ein Beispiel der Rebellion des Engagements und des würdigen Kampfes um Land. Heute geht es wieder um die Welt in Gedanken an den Compañero Juan der ermordet wurde.

Was können wir sonst noch von der aktuellen Regierung erwarten und von den vorigen, diese Sache hat schon eine lange Geschichte von Willkür und Missbrauch. Daran erinnert man sich, das vergisst man nicht, man vergisst nicht das Juan Vázquez seit dem Jahre 2007 überzeugt und engagiert war, in der Verteidigung des Landes. Erst kürzlich, am 17. April klagten die Anhänger*innen der sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald, öffentlich an, das ihr Territorium bedroht wurde und wird, durch die offizielle Politik des Landraubs durch die aktuelle Regierung von Chiapas und ihre Vorgänger.

Compañero Juan Vázquez Guzmán, du bist hier weiterhin präsent, dein Kampf hat viele Wege hinter sich, hat Furchen in die Erde gegraben um weiter Samen der Würde zu pflanzen. Dies ist etwas, was die Regierung nicht versteht und niemals verstehen wird. Du bist weiterhin hier und auch der Weg geht weiter, die Erinnerung wird hoch gehalten mit starkem Engagement.

Von hier aus, Compañero, schicken wir eine Umarmung. An deine Familie und Compañer@s, die deinen Weg des Kampfes begleitet haben. Wir schicken euch unser ehrliches Beileid und versichern unsere Solidarität mit eurem Kampf. Ihr sollt wissen, ihr seid nicht allein. Hier sind wir Compañer@s, wir sehen es, auch aus der Entfernung sind wir ganz nah an eurem Schmerz. Hier sind wir und klagen weiterhin an. Nichts kann versteckt werden und es soll der schlechten Regierung von Manuel Velasco Coello, sowie all seinen Vorgängern und derer die kommen, klar sein.

Gebt nicht auf Compañer@s, macht weiter. Nehmt unser aufrichtiges Beileid voller Wut, der Kameradschaft und Rebellion.

Wir vergessen nicht ! Der Kampf geht weiter !“

weitere Infos
Mitteilung des Menschenrechtszentrums FrayBa: http://www.frayba.org.mx/archivo/boletines/130503_asesinato_juan_vazquez.pdf

********************************************************************************

Mord in Chiapas

Mexiko: Unbekannte erschießen linken Aktivisten, der sich gegen zerstörerische Entwicklungsprojekte engagierte

Von Luz Kerkeling

downloadSeine Mörder entkamen unerkannt, und es steht zu befürchten, daß sie straffrei davonkommen: Am 24. April wurde Juan Vázquez von Unbekannten mit sechs Schüssen in seinem Haus in San Sebastián Bachajón regelrecht hingerichtet. Vázquez war seit Jahren als Aktivist im Umfeld der linksgerichteten Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN aktiv, auch wenn er kein formelles Mitglied der sozialrevolutionären Organisation war. Er engagierte sich als Unterstützer der »Sechsten Deklaration aus dem Lakandonischen Regenwald« der EZLN für eine zivile, außerparlamentarische Neuordnung der mexikanischen Gesellschaft gegen Rassismus, Kapitalismus, Sexismus und Naturzerstörung. Vázquez genoß den Respekt diverser Gemeinden seiner Heimatregion und kämpfte auf friedliche Weise gegen die zerstörerischen Entwicklungsprojekte, die in dem südmexikanischen Bundesstaat vorangetrieben werden.

Die von Regierung und Privatwirtschaft geförderten Großvorhaben, darunter Monokulturen von Ölpalme und ehrgeizige Luxus-Tourismusprojekte kollidieren drastisch mit den Interessen der Mehrheit der ortsansässigen kleinbäuerlich-indigenen Bevölkerung, die ihre Ländereien benötigt, um ihre Ernährung sicherzustellen. Die Selbstversorgungsfelder sollen zu marktkompatiblen Plantagen transformiert werden, die Kleinbauern zu Unternehmern, die cash crops für den Weltmarkt produzieren. Die Regierung agiert in diesem Kontext nicht nur mit Repression, sondern auch mit Hilfsprogrammen für die landwirtschaftliche Umstellung, um die Menschen aus dem Widerstand herauszukaufen.

Das unabhängige Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas forderte eine schnelle Aufklärung des Mordes an Vázquez und erinnerte daran, daß immer wieder indigene Aktivisten attackiert werden, die sich für ihre Gemeinden einsetzen, obwohl Mexiko die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zu indigenen Selbstbestimmungsrechten unterzeichnet hat. Mexiko bricht so tagtäglich nationales und internationales Recht. Darüber hinaus kritisierte das Zentrum, daß immer mehr Menschenrechtsaktivisten Opfer von Gewaltverbrechen werden.

Hintergrund der seit Jahren schwelenden Konflikte sind die Pläne der herrschenden Klasse, die Regionen Südmexiko und Mesoamerika, die aufgrund des indigenen Widerstands noch nicht völlig vom Kapitalismus durchdrungen sind, an dieses System anzudocken und die ressourcenreiche Region, die von hoher biologischer Vielfalt, Öl-, Gas- und Edelmetallvorkommen geprägt ist, gewinnbringend auszubeuten. Ein zentraler Mechanismus dieser Bestrebungen ist das Proyecto Mesoamérica (früher Plan Puebla-Panamá), ein infrastrukturelles Großvorhaben, das die Region mit Straßen, Häfen, Flughäfen, Stromleitungen, Staudämmen und Billiglohnfabriken überziehen soll und von allen dortigen Regierungen unterstützt wird.

Ein durchgreifender Erfolg für Regierung und Konzerne ist allerdings nicht garantiert: Die Bewohnerinnen und Bewohner von Bachajón kündigten an, daß ihr Widerstand gegen die neoliberalen Projekte weitergehen werde. Sie reihen sich damit in eine große Zahl von Basisorganisationen ein, die weiterhin für ihre Selbstbestimmung kämpfen und mit den kapitalistischen Großprojekten keineswegs einverstanden sind.

http://www.jungewelt.de/2013/05-08/002.php?sstr=bachajon

********************************************************************************

Solidaritätskarawane besucht Agua Azul in Chiapas

Menschenrechtsaktivisten beklagen Repression und Militarisierung der Region. Respektierung der Rechte der Frauen gefordert

Von 

amerika21.de. 23.02.2011

Aktivisten der Menschenrechtskarawane in Agua Azul

San Cristóbal de las Casas/Mexiko.Eine Karawane verschiedener Menschenrechtsorganisationen und von Anhängern der zapatistischen “Anderen Kampagne” besuchte am vergangenen Samstag die Region Agua Azul im Süden Mexikos. Ziel der Karawane war die Situation der Frauen und ihrer Familien im Gemeindeland (Ejido) San Sebastián Bachajón zu dokumentieren und ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Hintergrund sind die Auseinandersetzungen um ein Kassenhäuschen zwischen Angehörigen der Anderen Kampagne und Anhängern der ehemaligen Regierungspartei PRI Anfang Februar. Seitdem befinden sich zehn Mitglieder der Anderen Kampagne im Gefängnis. Zudem herrscht eine starke Polizei- und Militärpräsenz in der Region. Zu der Karawane hatte Zentrum für die Rechte der Frau (CDMCh) aufgerufen.

Am 2. Februar eskalierte ein Konflikt, als mehrere der PRI nahestehende Personen das Kassenhäuschen in Agua Azul übernehmen wollten. Es war seit längerer Zeit von Angehörigen der Anderen Kampagne betrieben worden. Bei den Auseinandersetzungen starb ein 26jähriger Anhänger der PRI. Daraufhin rückten Polizeieinheiten in die Region ein und nahmen am 3. Februar 117 Angehörige der anderen Kampagne fest. 107 von ihnen wurden wieder freigelassen. Das Kassenhäuschen befindet sich seitdem unter staatlicher Kontrolle.

Dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas (FrayBa) liegen mehrere Aussagen über Verletzungen der Rechte der Gefangenen vor. So berichten einige der Gefangenen von Drohungen. Auch seien sie zur Unterschrift von Dokumenten gezwungen worden, deren Inhalt sie nicht kannten. Unter den zehn weiterhin in Haft sitzenden, denen unter anderem Totschlag vorgeworfen wird, befindet sich ein Minderjähriger und einige Personen die am Tag des Geschehens gar nicht vor Ort waren.

Die Karawane traf sich mit den Bewohnerinnen der umliegenden Gemeinden, die über die aktuelle Situation vor Ort sprachen. In mehreren Redebeiträgen wurde die Freilassung der zehn Gefangenen und die Respektierung der Rechte der Frauen gefordert. Die Rednerinnen betonten ihre sozialen und politischen Rechte wie die Autonomie und die persönliche Selbstbestimmung. Die Schuld an der Eskalation des Konfliktes geben die Bewohnerinnen der mexikanischen und der chiapanekischen Regierung. Diese wollen schon seit längerem ein großes Ökotourismusprojekt in Agua Azul verwirklichen. Die staatliche Übernahme des Kassenhäuschens wird als erster Schritt zur Privatisierung von Agua Azul gesehen.

SPENDEN FÜR AMERIKA21.DE

Unterstützen Sie unabhängige Berichterstattung: Werden SieMitglied des Förderkreises von amerika21.de oder spenden Sie, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können. » mehr

Zudem beklagten sich die Bewohnerinnen über die hohe Anzahl an Polizei und Militäreinheiten in der Region. “Laut Regierung dient die starke Militär- und Polizeipräsenz dazu, den Frieden zu sichern. In Wirklichkeit ist diese aber hier um die Leute zu terrorisieren. Wir Frauen leben in ständiger Angst vor Drohungen und sexuellen Übergriffen durch die Soldaten”, erklärte eine Anwesende. Wie zur Bestätigung passierte während des Treffens ein Militärkonvoi aus etwa 25 Fahrzeugen die Straße in der unmittelbaren Nähe der Versammlung.

Im Anschluss an das Treffen war geplant, zum Kassenhäuschen zu fahren, wo PRI-Anhänger unter Polizeischutz weitere Gebäude für ein geplantes Tourismuszentrum errichten. Aufgrund der Aggressivität einiger der Bauarbeiter gegenüber der Karawane und um Eskalation zu vermeiden, wurde jedoch beschlossen nicht aus den Fahrzeugen zu steigen und die Aktion zu beenden.

*******************************************************************************

Politische Konflikte im Süden Mexikos flammen auf

Von 

amerika21.de, 04.02.2011

Mexiko-Stadt. Einen Tag nach dem Besuch touristischer Megaprojekte durch Mexikos Präsident Felipe Calderón im südlichen Bundesstaat Chiapas kam es am Mittwoch dieser Woche zu einer Konfrontation zwischen Aktivisten von Basisorganisationen, die der zapatistischen Bewegung nahestehen, und Anhängern der ehemaligen Regierungspartei PRI. Der seit mehreren Jahren schwelende Konflikt rankt sich um die Kontrolle der Einnahmen aus der Touristenattraktion Agua Azul im Landkreis Chilón, die Anhänger der “Anderen Kampagne”, eines Zusammenschlusses von Basisgruppen, bisher kontrollieren. Das Problem entstand, als Bewohner der PRI-dominierten Gemeinde San Sebastián Bachajón das umstrittene Objekt gewaltsam eroberten. Am Nachmittag des gleichen Tages organisierten sich die Anhänger der “Anderen Kampagne”, um die Kontrolle zurück zu erlangen. Laut Meldungen trafen kurz darauf Polizeieinheiten ein. Seit dem Morgen des 3. Februar herrscht offiziellen Information zufolge wieder Ruhe in der Region. Unklar ist, wer derzeit die Kontrolle über das Touristenziel ausübt. Bei den Auseinandersetzungen starb ein 26-jähriger Anhänger der PRI, zwei weitere Personen wurden verletzt, eine davon schwer.

(sipaz)

******************************************************************************

Streit im Paradies

Im Süden Mexikos wird der Ökotourismus auf Kosten der Bevölkerung entwickelt

Chiapas hat sich in den letzten Jahren als beliebtes Urlaubsziel für mexikanische und internationale TouristInnen profiliert. Naturschauplätze und die Ruinen der klassischen Maya-Zeit sind die Hauptattraktionen im südmexikanischen Bundesstaat. Dabei ist kaum bekannt, dass die Förderung des Tourismus durch die chiapanekische Regierung zunehmend zu Konflikten in den indigenen Gemeinden führt. Der Staat nutzt diese aus, um seine wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen.

images (21)Die Nachricht erregte internationales Aufsehen: Bei einer Konfrontation zwischen indigenen Kleinbauern und -bäuerinnen nahe der Wasserfälle von Agua Azul wurde ein Mensch unter noch ungeklärten Umständen getötet, es gab mehrere Verletzte. Im Mittelpunkt standen aber 17 AusländerInnen, die wegen der Auseinandersetzung über 20 Stunden festsaßen und später mit Hubschraubern nach Palenque ausgeflogen wurden. Weniger Aufmerksamkeit gab es für die 117 Indígenas, die verhaftet und zur Polizeiwache gebracht wurden, um unter Androhung von Folter und ohne Beistand eines Übersetzers ihre Aussagen zu machen. Dabei handelt es sich um ihr Stück Land und den Zugang zu den Wasserfällen, an dem sich der Konflikt entzündet hatte und nun eskaliert war.
Neu ist dieser Streitpunkt allerdings nicht. Seit mehreren Jahren gibt es innerhalb der Gemeinde San Sebastián Bachajón im Landkreis Chilón einen Disput zwischen zwei Gruppen um das Kassenhäuschen, das auf dem Weg zu den Wasserfällen steht. Die einen gehören seit ein paar Jahren zur Anderen Kampagne, einer von der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) ins Leben gerufenen antikapitalistischen, pazifistischen Initiative für eine neue Verfassung. Sie wehren sich gegen die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen auf ihrem Gemeindeland und stellen sich damit auch gegen staatlich initiierte Pläne zur Ausweitung des Ökotourismus, zu denen sie nicht befragt wurden und von denen sie mehr Schaden als Nutzen erwarten. Die zweite Gruppe, von ihren Kontrahenten aufgrund ihrer Verbindung zu den politischen Parteien oficialistas genannt, befürwortet die Pläne der Regierung. Sie steht dem Landrat von Chilón und der lokalen Vertretung der chiapanekischen Regierung im Landkreis nahe, die die touristische Entwicklung vorantreiben. Es geht aber zudem noch um die Einnahmen aus dem unabhängigen Kassenhäuschen, das neben dem offiziellen Kassenhäuschen von der Anderen Kampagne aufgebaut wurde. Nach unbestätigten Angaben wurden dort im zweiten Halbjahr 2010 über 400.000 Pesos (circa 23.800 Euro) an Eintritt eingenommen, an denen auch die Regierung interessiert ist.
Bereits im April 2009 waren die AnhängerInnen der Anderen Kampagne Opfer der Repression der chiapanekischen Regierung unter Juan Sabines Guerrero geworden. Damals waren sechs Tseltal-Indigene von San Sebastián Bachajón unter dem Vorwurf festgenommen worden, an Überfällen auf Reisebusse in der Region um Agua Azul beteiligt gewesen zu sein. AnhängerInnen der Anderen Kampagne blockierten daraufhin die Landstraße zwischen Palenque und Ocosingo, einer der Hauptverkehrswege im Nordosten von Chiapas, an der Kreuzung zu den Wasserfällen. Dies wurde als Vorwand für einen massiven Polizeieinsatz genutzt, bei dem das unabhängige Kassenhäuschen zerstört wurde. Der chiapanekischen Regierung schien dies ein Dorn im Auge gewesen zu sein, da sie nicht an den Einnahmen beteiligt wurden und das Häuschen außerdem in der Hand erklärter GegnerInnen der Regierung war. Noch Wochen danach war die Polizei in umliegenden Dörfern und an der Kreuzung nach Agua Azul stationiert. Als sie wieder abgezogen war, wurde das Kassenhäuschen von den AnhängerInnen der Anderen Kampagne erneut aufgebaut. Der Konflikt innerhalb der Gemeinde war allerdings nicht gelöst, wie sich Anfang Februar 2011 zeigen sollte.
Bei der Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen am 2. Februar erlangte zunächst die Gruppe der oficialistas gewaltsam die Kontrolle über das Kassenhäuschen. Die AnhängerInnen der Anderen Kampagne versuchten daraufhin, dieses wieder zu erobern. Bei dieser Konfrontation gab es Verletzte auf beiden Seiten. Ein Mitglied der ersten Gruppe wurde durch einen Schuss so schwer verletzt, dass er seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus erlag. Infolgedessen kam es am Tag darauf zur Verhaftung der 117 AnhängerInnen der Anderen Kampagne, von denen 107 am 5. Februar wieder freigelassen wurden. Die restlichen zehn wurden ins nächstgelegene Gefängnis nahe Palenque gebracht, unter ihnen ein Minderjähriger und ein geistig Eingeschränkter. Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba), welches die Verteidigung der zehn Männer übernommen hat, erklärte zu den Menschenrechtsverletzungen im Kontext der Verhaftung, dass „sie weder einen Anwalt noch einen Übersetzer hatten, zudem wurden sie von der Polizei bedroht und von Beamten der Staatsanwaltschaft eingeschüchtert“.
Die Pläne zum Ausbau des Ökotourismus in der Region haben das Konfliktpotential vor Ort dramatisch erhöht. Bereits Anfang Februar 2010 hatte es in einer Nachbargemeinde von Agua Azul einen gewaltsamen Übergriff gegeben, bei dem einer der Angreifer versehentlich von den eigenen Leuten erschossen wurde. Diese, aus Agua Azul stammend, hatten Ackerland der zapatistischen Gemeinde Bolom Ajaw besetzt, um es für ein geplantes Hotelprojekt an den dort gelegenen Wasserfällen zugänglich zu machen. Nachdem die ZapatistInnen erfolglos versucht hatten, die BesetzerInnen auf friedliche Weise zum Rückzug zu überreden, kam es zur Konfrontation zwischen beiden Gruppen. Das Menschenrechtszentrum Frayba, das den Fall ausführlich dokumentierte, erläuterte auch die Pläne der Regierung für die Region. Demnach soll Palenque zu einem „neuen Cancún“ werden. Die Stadt mit den Maya-Ruinen steht im Mittelpunkt eines regionalen Projekts zur Entwicklung des Tourismus mit dem Kürzel CIP-Palenque. Einen wichtigen Teil desselben bilden die Wasserfälle von Agua Azul und Bolom Ajaw. An letzteren sind Lodges geplant, für die Einnahmen zwischen 500 und 1.000 US-Dollar pro Nacht kalkuliert werden, die Anreise mit Hubschraubern von Palenque aus noch nicht mit eingerechnet.
Im Rahmen der Förderung des Tourismus in Chiapas ist zudem geplant, die Infrastruktur des Bundesstaates weiterzuentwickeln. Hierzu gehört der Bau einer Autobahn zwischen dem Kolonialstädtchen San Cristóbal de Las Casas und Palenque, die fast ausschließlich durch indigene Dörfer führen würde. In der Tsotsil-Gemeinde Mitzitón, 15 Kilometer außerhalb von San Cristóbal gelegen und geplanter Ausgangspunkt der Autobahn, regte sich bei einem Teil der BewohnerInnen Widerstand, als 2009 plötzlich Ingenieure mit Messgeräten im Dorf auftauchten. Sie schlossen sich der Anderen Kampagne an und machten ihre Opposition gegen das Projekt öffentlich, was ihnen Solidarität seitens anderer Gruppen in der von den ZapatistInnen initiierten Bewegung brachte, aber auch einen innerkommunitären Konflikt ausbrechen ließ. Denn ein anderer Teil des Dorfes sprach sich offen für den Bau der Autobahn aus und begann, die Protestaktion der AnhängerInnen der Anderen Kampagne zu stören und anzugreifen. Trauriger Höhepunkt war der Tod eines Autobahngegners im Juli 2009, als eine Gruppe von BefürworterInnen mit hoher Geschwindigkeit in eine Gruppe von GegnerInnen fuhr. Die chiapanekische Regierung hat mittlerweile verkündet, dass die Autobahn nicht gebaut werden soll, scheinbar aus Rücksicht auf die Proteste. Inoffiziell ist aber auch die Rede davon, dass der eigentliche Grund die fehlende Finanzierung des Projekts durch die föderale Regierung sei, die nach mexikanischem Recht für deren Bau zuständig ist.
Obwohl Mitzitón und San Sebastián Bachajón mehr als 100 Kilometer voneinander entfernt liegen, hat der Widerstand gegen die Pläne der Regierung die organisierten Gruppen in beiden Dörfern zusammengebracht. Ihre Zugehörigkeit zur Anderen Kampagne hat dies gefördert, wenn nicht gar erst möglich gemacht. Auf verschiedenen Treffen dieses Zusammenschlusses der pro-zapatistischen Bewegung gab es so die Möglichkeit zum Austausch. Und mehr als einmal haben sich beide Gruppen miteinander öffentlich solidarisiert, vor allem bei Protestaktionen, aber auch, wie jüngst in San Sebastián Bachajón geschehen, in Fällen von staatlicher Repression.

Die chiapanekische Regierung reagierte nach der Konfrontation bei Agua Azul am 2. Februar mit einer Medienkampagne, um sich als Schlichter zu präsentieren. In bezahlten Zeitungsanzeigen, unter anderem in der größten linken mexikanischen Tageszeitung La Jornada, wurde von einem Runden Tisch zwischen den BewohnerInnen von Agua Azul und San Sebastián Bachajón berichtet, an dem sich auch der Gouverneur Juan Sabines Guerrero eingefunden hatte, um dem Dialog beizuwohnen. Als Lösung des Konflikts wurde das Modell eines einzigen Kassenhäuschens präsentiert, das vom chiapanekischen Wirtschaftsministerium geführt werden soll. Ein kleiner „Schönheitsfehler“ hieran war allerdings, dass die Gruppe der Anderen Kampagne, die in den Konflikt involviert ist, nicht am Dialog beteiligt war. Diese hatte Verhandlungen mit der Regierung bereits ausgeschlossen, nachdem die oficialistas ihnen das Kassenhäuschen gewaltsam entrissen hatten. Das Netzwerk für den Frieden, ein Zusammenschluss lokaler Menschenrechtsorganisationen, machte in einer Stellungnahme zu den Geschehnissen deutlich, dass ein zuvor von den Konfliktparteien initiierter Dialog durch die Handlung der Regierung zunichte gemacht wurde. Die Regierung habe zunächst die gewaltsame Besetzung des unabhängigen Kassenhäuschens zugelassen, die andere Seite mit Repression überzogen und die Freilassung der Gefangenen an die Zustimmung der von der Regierung durchgesetzten Bedingungen geknüpft. In einer Erklärung der zehn Gefangenen Ende Februar hieß es dann auch, dass sie von Regierungsfunktionären im Gefängnis gedrängt worden seien, „deren Vorschläge zum Dialog zu akzeptieren“, um im Gegenzug ihre Freilassung zu erreichen.

Einen Tag vor der gewaltsamen Konfrontation bei Agua Azul war Präsident Felipe Calderón auf einem als privat erklärten Besuch in der Region, um das „Jahr des Tourismus“ in Chiapas öffentlichkeitswirksam zu fördern. Ob ein Zusammenhang zwischen seiner Reise und dem Vorfall besteht, bleibt unklar, kann aufgrund der zeitlichen Nähe aber nicht völlig ausgeschlossen werden. Sollten die mexikanische und die chiapanekische Regierung auf ihrer Strategie beharren, den Tourismus auf Kosten von Konflikten in den indigenen Gemeinden zu stärken, könnten sich die Medienberichte wie die von Anfang Februar über die 17 internationalen TouristInnen als kontraproduktiv erweisen und Chiapas als Urlaubsziel unattraktiv machen.

http://www.lateinamerikanachrichten.de/index.php?/artikel/4049.html

bachajon circulo_Mesa de trabajo 37 German round large

*****************************************************************************************************

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s